Das Herz – Anatomie & Funktion

Das Herz war eines der ersten Themen in der Pflegeausbildung, die für mich persönlich hochinteressant waren. Zum einen hat mich der Aufbau des Organs beeindruckt, zum anderen seine Funktion, die unzählige Auswirkungen auf nahezu alle Bereiche des Körpers hat.

Sobald du verstanden hast, wie das Herz aufgebaut ist und wie es arbeitet, ergeben viele andere Themen plötzlich Sinn – vom Blutdruckmessen über die Beobachtung von Patienten bis hin zu Krankheitsbildern und pflegerischen Maßnahmen.

In der Pflege begegnest du dem Herzen jeden Tag. Bläuliche Lippen oder erschwertes Treppensteigen bei bestimmten Bewohnern machen auf einmal Sinn. Du misst den Puls, beobachtest Atmung und Belastbarkeit, achtest auf Hautfarbe, Temperatur oder Müdigkeit. All das hängt direkt oder indirekt mit der Herzfunktion zusammen. Deshalb ist es wichtig, nicht nur Begriffe auswendig zu lernen, sondern zu verstehen, was im Körper tatsächlich passiert.

Auf dieser Seite findest du die anatomischen Grundlagen des Herzens und eine verständliche Erklärung seiner Funktion. Ziel ist es, dir eine sichere Basis zu geben, auf der du später Krankheitsbilder, Pflegehandlungen und Prüfungsinhalte besser einordnen kannst.

 

Definition: Was ist das Herz?

Das Herz ist ein Muskel, der als Hohlorgan aufgebaut ist. Ein Hohlorgan ist ein Organ, das im Inneren einen Hohlraum besitzt.

Als zentrale Blutpumpe des Herz-Kreislauf-Systems sorgt das Herz dafür, dass Blut durch den gesamten Körper transportiert wird. Dabei besitzt es sowohl eine Saugfunktion als auch eine Pumpfunktion. Über das Gefäßsystem gelangt das Blut vom Herzen in alle Körperbereiche und anschließend wieder zurück zum Herzen.

Durch diese kontinuierliche Tätigkeit werden alle Zellen des menschlichen Körpers über das Blut mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Damit bildet das Herz eine grundlegende Voraussetzung für das Funktionieren aller Organe.

 

Merke dir das gut: Das Herz ist ein Muskel und als Hohlorgan aufgebaut. Es pumpt Blut durch den Körper.

 

Lage des Herzens

Das Herz befindet sich zwischen den beiden Lungenflügeln im sogenannten Mediastinum und liegt im Brustkorb (Thorax). Etwa zwei Drittel des Herzens befinden sich im linken Brustkorbbereich, ein Drittel im rechten Brustkorbbereich. Das Herz ist dabei im Herzbeutel eingebettet, der es schützt und fixiert.

Das Herz besitzt eine kegelförmige Form und liegt nicht gerade, sondern schräg im Brustkorb. Die Herzspitze ist nach links gedreht und zeigt leicht nach vorne und nach unten.

Alle großen Gefäße treten an der sogenannten Herzbasis in das Herz ein oder aus. Die gedachte Linie zwischen Herzbasis und Herzspitze wird als Herzachse bezeichnet. Diese ist bei jedem Menschen individuell ausgerichtet.

Die Größe des Herzens wird grob mit der Größe der geschlossenen Faust der jeweiligen Person verglichen. In der Regel ist das Herz etwas größer als eine geschlossene Faust. Das Gewicht des Herzens beträgt ohne Blut etwa 300 Gramm, kann jedoch individuell variieren. Bei Sportlern ist das Herz häufig leicht vergrößert und dementsprechend schwerer. Bei bestimmten Erkrankungen kann das Herzgewicht auf bis zu 500 Gramm ansteigen, was als kritisches Herzgewicht bezeichnet wird.

Merke dir das gut: Das Herz befindet sich im Brustkorb (Thorax) zwischen den beiden Lungenflügeln. Etwa zwei Drittel liegen im linken Brustkorbbereich, ein Drittel im rechten. Es ist vom Herzbeutel umgeben, der das Herz schützt und fixiert.

 

Aufbau des Herzens

Das Herz ist in zwei Hälften unterteilt: eine rechte und eine linke Herzhälfte. Diese beiden Hälften sind durch eine Herzscheidewand voneinander getrennt und arbeiten funktionell getrennt, aber zeitlich synchron.

Jede Herzhälfte besteht aus zwei Hohlräumen:

- einem Vorhof

- einer Herzkammer

Insgesamt besitzt das Herz somit vier Hohlräume.

 

Die Vorhöfe

Die beiden Vorhöfe dienen als Sammelräume für das Blut, das zum Herzen zurückfließt.

- Der rechte Vorhof nimmt sauerstoffarmes Blut aus dem Körper auf.

- Der linke Vorhof nimmt sauerstoffreiches Blut aus der Lunge auf.

Von den Vorhöfen gelangt das Blut jeweils in die darunterliegenden Herzkammern.

 

Die Herzkammern

Die Herzkammern sind für die eigentliche Pumparbeit des Herzens zuständig.

- Die rechte Herzkammer pumpt das sauerstoffarme Blut in die Lunge.

- Die linke Herzkammer pumpt das sauerstoffreiche Blut in den Körperkreislauf.

Die Wand der linken Herzkammer ist deutlich dicker als die der rechten, da sie das Blut mit höherem Druck durch den gesamten Körper befördern muss.

 

Die Herzklappen

Zwischen Vorhöfen und Herzkammern sowie an den Ausgängen der Herzkammern befinden sich die Herzklappen. Sie sorgen dafür, dass das Blut nur in eine Richtung fließt und nicht zurückströmt.

 

Man unterscheidet:

- Segelklappen zwischen Vorhof und Kammer

- Taschenklappen an den Ausgängen der Herzkammern

Die Herzklappen arbeiten passiv und öffnen oder schließen sich abhängig vom Druckverhältnis im Herzen.

Abbildung: Aufbau des Herzens

1. Linker Vorhof
Nimmt sauerstoffreiches Blut aus der Lunge auf und leitet es in die linke Herzkammer weiter.

2. Mitralklappe (linke Segelklappe)
Trennt linken Vorhof und linke Herzkammer und verhindert den Rückfluss des Blutes.

3. Linke Herzkammer
Pumpt das sauerstoffreiche Blut mit hohem Druck in den Körperkreislauf.

4. Aortenklappe
Liegt zwischen linker Herzkammer und Aorta und verhindert den Rückfluss des Blutes aus der Hauptschlagader.

5. Pulmonalklappe
Liegt zwischen rechter Herzkammer und Lungenarterie und verhindert den Rückfluss des Blutes aus dem Lungenkreislauf.

6. Rechte Herzkammer
Pumpt das sauerstoffarme Blut in den Lungenkreislauf.

7. Trikuspidalklappe (rechte Segelklappe)
Trennt rechten Vorhof und rechte Herzkammer und verhindert den Rückfluss des Blutes.

8. Rechter Vorhof
Nimmt sauerstoffarmes Blut aus dem Körper auf und leitet es in die rechte Herzkammer weiter.

Merke dir das gut: Das Herz besteht aus zwei Vorhöfen und zwei Kammern – jeweils rechts und links. Die Segelklappen trennen Vorhöfe und Kammern, die Taschenklappen (Aorten- und Pulmonalklappe) trennen das Herz von den großen Gefäßen.

 

Einordnung für das Verständnis

Der Aufbau des Herzens ist eng mit seiner Funktion verknüpft. Die klare Trennung der Herzhälften, die Anordnung der Vorhöfe und Kammern sowie das Zusammenspiel der Herzklappen ermöglichen einen gerichteten und effektiven Blutfluss.

Ein solides Verständnis des Herzaufbaus erleichtert das spätere Verständnis von Krankheitsbildern, pflegerischen Beobachtungen und therapeutischen Maßnahmen erheblich.

 

Funktion des Herzens

Die Hauptfunktion des Herzens besteht darin, Blut durch den Körper zu pumpen und so die Versorgung aller Organe und Gewebe sicherzustellen. Dabei arbeitet das Herz als Druck- und Saugpumpe und passt seine Leistung den jeweiligen Anforderungen des Körpers an.

Im Körperkreislauf pumpt die linke Herzhälfte das sauerstoffreiche Blut aus der linken Herzkammer in den gesamten Körper. Über das Gefäßsystem werden alle Organe und Gewebe mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Gleichzeitig werden Stoffwechselprodukte aufgenommen und über das Blut wieder zurücktransportiert. Das sauerstoffarme Blut gelangt schließlich zurück in den rechten Vorhof des Herzens, womit sich der Kreislauf schließt.

Der Blutfluss durch das Herz folgt einem festen Kreislauf und dient der Versorgung des Körpers mit Sauerstoff und Nährstoffen.

Sauerstoffarmes Blut (blau dargestellt) fließt aus dem Körper über die großen Venen in den rechten Vorhof des Herzens. Von dort gelangt es in die rechte Herzkammer. Bei der nächsten Kontraktion wird das Blut aus der rechten Herzkammer über die Lungenarterie in die Lunge gepumpt.

In der Lunge findet der Gasaustausch statt: Das Blut gibt Kohlendioxid ab und nimmt Sauerstoff auf. Das nun sauerstoffreiche Blut (rot dargestellt) fließt über die Lungenvenen zurück zum Herzen in den linken Vorhof. Von dort gelangt es in die linke Herzkammer.

Die linke Herzkammer pumpt das sauerstoffreiche Blut mit hohem Druck über die Aorta in den Körperkreislauf. Über das Gefäßsystem werden alle Organe und Gewebe mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Anschließend fließt das nun wieder sauerstoffarme Blut zurück zum rechten Herzen, und der Kreislauf beginnt von vorn.

Wir unterscheiden beim Herzen die Kontraktionsphase (Anspannungsphase) und die Erschlaffungsphase (Entspannungsphase).
In der Kontraktionsphase zieht sich der Herzmuskel zusammen. Dadurch wird Blut aus den Herzkammern in die Blutgefäße gepumpt.
In der Erschlaffungsphase entspannt sich der Herzmuskel. Die Herzkammern füllen sich erneut mit Blut aus den Vorhöfen.

In diesem Zusammenhang sind auch die Begriffe Systole und Diastole sehr wichtig.
Die Systole entspricht der Kontraktionsphase des Herzens. In dieser Phase ziehen sich die Herzkammern zusammen und pressen das Blut in den Lungen- und Körperkreislauf.
Die Diastole entspricht der Erschlaffungsphase des Herzens. In dieser Phase entspannen sich die Herzkammern und füllen sich wieder mit Blut.

Merke dir das gut (sehr beliebt in Prüfungen):
Systole = Herz zieht sich zusammen
Diastole = Herz entspannt sich und füllt sich

Diese Begriffe werden später noch einmal besonders wichtig, wenn wir uns mit der Maßnahme des Blutdruckmessens beschäftigen und diese genauer erklären.

Zuletzt müssen wir noch sagen, das dass vegetative Nervensystem einen Einfluss auf das Herz und seine Tätigkeit haben kann. Die Verbindung zwischen dem vegetativen Nervensystem und dem Herzen erfolgt über spezielle Nervenfasern, die direkt am Herzen ansetzen. Diese Nerven beeinflussen die Aktivität des Herzmuskels sowie die Erregungsbildung und -leitung.

Der Sympathikus erreicht das Herz über sympathische Nervenfasern und setzt dort Botenstoffe frei, die die Herzfrequenz und die Schlagkraft erhöhen.
Der Parasympathikus wirkt hauptsächlich über den sogenannten Vagusnerv auf das Herz. Er verlangsamt die Herzfrequenz und senkt die Herzleistung, indem er hemmend auf die Erregungsbildung einwirkt.

Diese nervale Steuerung erfolgt automatisch und ohne bewusste Kontrolle. Dadurch kann sich das Herz jederzeit schnell an wechselnde Anforderungen anpassen, ohne dass wir aktiv eingreifen müssen.

 

Das Herz – kurz zusammengefasst

- Das Herz ist ein muskuläres Hohlorgan und die zentrale Blutpumpe des Herz-Kreislauf-Systems.

- Es liegt schräg im Brustkorb zwischen den Lungenflügeln und ist im Herzbeutel eingebettet.

- Das Herz besteht aus vier Hohlräumen: zwei Vorhöfen und zwei Herzkammern.

- Die rechte Herzhälfte pumpt sauerstoffarmes Blut in die Lunge, die linke Herzhälfte pumpt sauerstoffreiches Blut in den Körper.

- Herzklappen sorgen dafür, dass das Blut nur in eine Richtung fließt.

- In der Systole zieht sich der Herzmuskel zusammen und pumpt Blut aus dem Herzen.

- In der Diastole entspannt sich der Herzmuskel und füllt sich wieder mit Blut.

- Die Herzleistung passt sich automatisch an Belastung und Ruhe an.

- Der Sympathikus steigert Herzfrequenz und Schlagkraft, der Parasympathikus verlangsamt das Herz.

- Die Steuerung erfolgt über Nervenfasern des vegetativen Nervensystems, insbesondere über den Vagusnerv.

Warum dieses Wissen für die Pflege wichtig ist

Ein gutes Verständnis des Herzens hilft dir dabei, Vitalzeichen richtig zu beurteilen, Veränderungen frühzeitig zu erkennen und pflegerische Maßnahmen sicherer durchzuführen. Viele Beobachtungen im Pflegealltag lassen sich nur dann richtig einordnen, wenn Aufbau und Funktion des Herzens verstanden wurden.

Im Rahmen der Pflegeausbildung wirst du dich im späteren Verlauf intensiv mit verschiedenen Erkrankungen des Herzens beschäftigen. Die folgende Übersicht soll dir eine erste Einordnung geben und zeigen, welche Krankheitsbilder häufig behandelt und geprüft werden. An dieser Stelle erfolgt bewusst keine inhaltliche Erklärung der einzelnen Erkrankungen.

Zu den typischen Herzerkrankungen gehören unter anderem:

- Koronare Herzkrankheit (KHK)

- Herzinfarkt

- Herzinsuffizienz

- Herzrhythmusstörungen

- Arterielle Hypertonie (Bluthochdruck)

- Herzklappenerkrankungen

- Entzündliche Herzerkrankungen (z. B. Endokarditis, Myokarditis)

Die ausführliche Besprechung dieser Krankheitsbilder erfolgt im Bereich der Krankheitslehre sowie in vertiefenden Lernmaterialien.

Die Inhalte dieser Seite dienen der Lernunterstützung und ersetzen keinen schulischen Unterricht oder offizielle Ausbildungsvorgaben.

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