Das Verdauungssystem – Anatomie & Funktion

Das Verdauungssystem gehört zu den grundlegenden Themen in der Pflegeausbildung. Ohne eine funktionierende Verdauung kann der Körper keine Energie gewinnen, keine Nährstoffe aufnehmen und keine lebenswichtigen Baustoffe bereitstellen. Alles, was der Mensch zum Leben braucht, muss zuerst über das Verdauungssystem verarbeitet werden.

Auch in der Pflegeausbildung wird schnell deutlich, wie zentral dieses System ist. Spätestens wenn es um Bauchschmerzen, Übelkeit, Durchfall, Verstopfung oder Mangelernährung geht, zeigt sich, wie sensibel und gleichzeitig leistungsfähig der Verdauungstrakt ist. Viele Beschwerden, die im Pflegealltag häufig auftreten, haben ihren Ursprung genau hier.

In der Pflege begegnest du dem Verdauungssystem täglich. Du beobachtest Appetit, Nahrungsaufnahme, Trinkmenge und Ausscheidungen. Du achtest auf Bauchumfang, Schmerzen, Übelkeit oder Erbrechen. Du unterstützt Menschen beim Essen, bei der Verdauung und bei der Ausscheidung. Auch Erkrankungen wie Gastritis, Diabetes, Lebererkrankungen, Darmentzündungen oder Mangelernährung lassen sich nur verstehen, wenn du weißt, wie die Verdauung funktioniert.

Dieses Thema hilft dir, Symptome richtig einzuordnen und pflegerische Maßnahmen sinnvoll zu begründen. Du verstehst, warum bestimmte Diäten notwendig sind, weshalb Flüssigkeitszufuhr so wichtig ist und welche Folgen eine gestörte Verdauung haben kann.

Ein gutes Grundverständnis des Verdauungssystems schafft Sicherheit im Pflegealltag, unterstützt deine Beobachtungskompetenz und ist ein zentrales, prüfungsrelevantes Thema in der Pflegeausbildung.

 

Definition: Was ist das Verdauungssystem?

Das Verdauungssystem ist ein Organsystem, das dafür sorgt, dass der Körper Nahrung aufnehmen, zerlegen und verwerten kann. Es verarbeitet alles, was wir essen und trinken, so weit, dass der Körper daraus Energie und Nährstoffe gewinnen kann.

In der Medizin wird häufig der Begriff Gastrointestinaltrakt verwendet. Dieser bezeichnet jedoch nicht das gesamte Verdauungssystem. Er umfasst den Verdauungsweg von der Speiseröhre bis zum Anus und schließt die Mundhöhle und die Zunge nicht mit ein.

Deshalb sollte der Begriff Gastrointestinaltrakt nicht mit dem umfassenderen Begriff Verdauungssystem verwechselt werden, der alle an der Verdauung beteiligten Organe einschließt.

Merke dir das gut: Das Verdauungssystem nimmt Nahrung auf, zerlegt sie, nimmt Nährstoffe auf und scheidet Unverwertbares aus.

 

Aufgaben des Verdauungssystems

Die zentrale Aufgabe des Verdauungssystems ist es, den Körper mit Nährstoffen und Energie zu versorgen. Alles, was der Mensch isst und trinkt, muss dafür zunächst so verarbeitet werden, dass der Körper es nutzen kann.

Zu Beginn wird die Nahrung mechanisch zerkleinert, zum Beispiel durch Kauen im Mund und durch die Bewegung des Magens. Dadurch wird sie auf die weitere Verdauung vorbereitet. Anschließend erfolgt die chemische Verdauung. Dabei zerlegen Verdauungssäfte und Enzyme die Nahrung in ihre kleinsten Bestandteile.

Aus großen Nahrungsbestandteilen entstehen so kleine Bausteine, zum Beispiel Zucker, Fettsäuren und Aminosäuren. Diese können über die Darmschleimhaut aufgenommen werden. Von dort gelangen sie ins Blut und stehen dem Körper für den Stoffwechsel zur Verfügung. Der Körper nutzt sie zur Energiegewinnung, für den Aufbau körpereigener Stoffe und zur Aufrechterhaltung wichtiger Körperfunktionen.

Nicht alle Bestandteile der Nahrung können verdaut werden. Unverdauliche Reste werden im Darm weitertransportiert und schließlich als Stuhl ausgeschieden. Auch dieser Vorgang ist ein wichtiger Teil der Verdauung, da er den Körper von nicht verwertbaren Stoffen befreit.

Für die Pflege ist dieses Wissen besonders relevant. Veränderungen der Verdauung wirken sich direkt auf Energie, Allgemeinzustand, Gewicht, Flüssigkeitshaushalt und Wohlbefinden aus.

Merke dir das gut: Das Verdauungssystem zerkleinert Nahrung, spaltet sie in verwertbare Bausteine, nimmt Nährstoffe auf und scheidet Unverdauliches aus.

Aufbau des Verdauungssystems

Die Organe des Verdauungssystems bilden im Grunde einen zusammenhängenden Schlauch. Dieser beginnt in der Mundhöhle und endet am After. Die Nahrung wird auf diesem Weg Schritt für Schritt weiterverarbeitet, verdaut und schließlich ausgeschieden.

Zu Beginn steht die Mundhöhle. Zu ihr gehören die Zähne, die Zunge, der Gaumen und die Speicheldrüsen. Hier wird die Nahrung aufgenommen, zerkleinert und mit Speichel vermischt. Danach gelangt sie über die Speiseröhre in den Magen. Die Speiseröhre dient dabei ausschließlich dem Transport der Nahrung.

Im Magen wird die Nahrung gesammelt, durchmischt und weiter aufgespalten. Anschließend gelangt sie in den Darm, der den größten Teil des Verdauungssystems ausmacht.

Der Darm wird in Dünndarm und Dickdarm unterteilt.
Zum Dünndarm gehören der Zwölffingerdarm, der Leerdarm und der Krummdarm. Hier findet der wichtigste Teil der Verdauung statt. Die Nahrung wird weiter zerlegt und die Nährstoffe werden über die Darmschleimhaut aufgenommen.

Der Dickdarm besteht aus dem Blinddarm mit Wurmfortsatz, dem Grimmdarm, dem Mastdarm und dem Analkanal. Seine Hauptaufgabe ist es, Wasser zu entziehen und den Stuhl einzudicken. Am Ende wird der Stuhl über den Analkanal ausgeschieden.

Man unterscheidet außerdem einen oberen und einen unteren Verdauungstrakt. Zum oberen Verdauungstrakt zählen die Mundhöhle, die Speiseröhre, der Magen und der Zwölffingerdarm. Der untere Verdauungstrakt umfasst den restlichen Dünndarm, den Dickdarm, den Mastdarm und den Analkanal.

Abbildung: Verdauungstrakt

1. Mundhöhle (Cavitas oris) mit den Speicheldrüsen, der Zunge, den Zähnen und dem Gaumen.

2. Speiseröhre (Ösophagus)

3. Magen (Gaster)

4. Leber (Hepar)

5. Gallenblase (Vesica biliaris/Vesica fellea)

6. Bauchspeicheldrüse (Pankreas)

7. Dünndarm (Intestinum tenue)

8. Dickdarm (Intestinum crassum)

9. Blinddarm (Caecum) mit Wurmfortsatz (Appendix vermiformis)

10. Mastdarm (Rektum)

11. After (Anus)

Für die Verdauung sind Verdauungssäfte besonders wichtig. Sie werden vor allem von der Bauchspeicheldrüse und der Leber gebildet und in den Dünndarm abgegeben. Diese Säfte enthalten Enzyme, die Nahrungsbestandteile chemisch aufspalten, sowie Stoffe, die für die Fettverdauung notwendig sind.

Die Leber übernimmt dabei eine zentrale Rolle im Stoffwechsel. Nahezu alle Nährstoffe, die im Darm aufgenommen werden, gelangen zuerst zur Leber. Dort wird entschieden, ob diese Stoffe sofort verbraucht, gespeichert, umgewandelt oder abgebaut werden.

Merke dir das gut: Das Verdauungssystem ist ein durchgehender Verdauungsweg vom Mund bis zum After. Verdauungssäfte und die Leber sind entscheidend für die Aufspaltung und Weiterverarbeitung der Nahrung.

Aufteilung des Verdauungssystems

Der Verdauungstrakt wird in der Anatomie in zwei große Abschnitte eingeteilt: den oberen und den unteren Verdauungstrakt. Diese Einteilung hilft dabei, Funktionen, Erkrankungen und pflegerische Maßnahmen besser zuzuordnen.

Oberer Verdauungstrakt

Zum oberen Verdauungstrakt zählen die Mundhöhle, die Speiseröhre, der Magen und der Zwölffingerdarm. In diesem Abschnitt beginnt die Verdauung.

In der Mundhöhle wird die Nahrung aufgenommen, mechanisch zerkleinert und mit Speichel vermischt. Erste Verdauungsvorgänge setzen bereits hier ein. Über die Speiseröhre gelangt die Nahrung in den Magen. Die Speiseröhre dient ausschließlich dem Transport und besitzt keine Verdauungsfunktion.

Im Magen wird die Nahrung gesammelt, durchmischt und mithilfe von Magensäure und Enzymen weiter aufgespalten. Der Zwölffingerdarm bildet den Übergang zum Dünndarm. Hier treffen Magensaft, Galle und Bauchspeicheldrüsensekret zusammen und setzen die Verdauung intensiv fort.

 

Unterer Verdauungstrakt

Der untere Verdauungstrakt beginnt nach dem Zwölffingerdarm und umfasst den restlichen Dünndarm, den Dickdarm, den Mastdarm und den Analkanal.

Zum Dünndarm gehören der Leerdarm und der Krummdarm. Hier findet der größte Teil der Nährstoffaufnahme statt. Die zuvor aufgespaltenen Nahrungsbestandteile werden über die Darmschleimhaut ins Blut aufgenommen und dem Körper zur Verfügung gestellt.

Der Dickdarm besteht aus dem Blinddarm mit Wurmfortsatz, dem Grimmdarm und dem Mastdarm. Seine Hauptaufgaben sind die Rückresorption von Wasser und Elektrolyten sowie die Eindickung des Darminhalts. Im Mastdarm wird der Stuhl gesammelt, bevor er über den Analkanal ausgeschieden wird.

Lage der Verdauungsorgane: Bauch- und Beckenhöhle

Fast alle Organe des Verdauungssystems liegen innerhalb der Bauch- und Beckenhöhle. Ausgenommen sind lediglich die Mundhöhle und der größte Teil der Speiseröhre. Diese befinden sich außerhalb dieses Körperraums.

Anatomisch unterscheidet man zwischen der Bauchhöhle und der Beckenhöhle. Die Bauchhöhle liegt oberhalb, die Beckenhöhle schließt sich nach unten an. In der Praxis gehen beide jedoch ohne klare Grenze ineinander über. Deshalb kann man sie auch als eine gemeinsame große Körperhöhle betrachten, in der die meisten Verdauungsorgane geschützt liegen.

Die Bauch- und Beckenhöhle werden von verschiedenen Strukturen begrenzt. Nach oben wird dieser Raum durch das Zwerchfell abgeschlossen. Es trennt die Bauchhöhle vom Brustraum und spielt gleichzeitig eine wichtige Rolle bei der Atmung.

Nach vorne und zu den Seiten hin wird die Höhle von der Muskulatur der Bauchwand begrenzt. Diese Muskeln schützen die inneren Organe und sind an Bewegung, Haltung und Druckregulation beteiligt.

Nach hinten wird der Raum durch die Wirbelsäule und die Rückenmuskulatur begrenzt. Nach unten bilden die Beckenknochen und die Beckenbodenmuskulatur den Abschluss. Der Beckenboden trägt die Organe und ist wichtig für Kontinenz und Stabilität.

Der Übergang zwischen Bauchhöhle und Beckenhöhle liegt etwa auf Höhe des oberen Randes des Kreuzbeins. Diese Ebene wird als Beckeneingang bezeichnet. Anatomisch dient sie als Orientierungslinie, um Bauchraum und Beckenraum voneinander abzugrenzen.

Auch wenn Bauch- und Beckenhöhle ohne feste Trennwand ineinander übergehen, hilft diese Einteilung dabei, die Lage von Organen besser zu beschreiben. Organe oberhalb des Beckeneingangs werden der Bauchhöhle zugeordnet, Organe darunter liegen in der Beckenhöhle.

Der Teil des Körpers, der die Bauch- und Beckenorgane umschließt, wird als Rumpf bezeichnet. Er schützt die inneren Organe, ermöglicht Bewegung und sorgt durch Muskulatur und Bindegewebe für Stabilität. Gleichzeitig ist der Rumpf an wichtigen Funktionen beteiligt, zum Beispiel an der Atmung, der Druckregulation im Bauchraum und der Körperhaltung.

Das Bauchfell (Peritoneum)

Die Bauch- und Beckenhöhle ist innen mit einer glatten Haut ausgekleidet. Diese Haut wird als Bauchfell bezeichnet, medizinisch Peritoneum genannt. Das Bauchfell spielt eine wichtige Rolle für den Schutz und die Beweglichkeit der inneren Organe.

Man unterscheidet zwei Anteile des Bauchfells.
Das äußere Blatt liegt der Innenseite der Bauch- und Beckenhöhlenwand an. Dieses Blatt ist schmerzempfindlich. Reizungen oder Entzündungen werden hier oft als klar lokalisierbarer Schmerz wahrgenommen.

Das innere Blatt des Bauchfells überzieht die Verdauungsorgane. Es ist deutlich weniger schmerzempfindlich. Schmerzen, die von hier ausgehen, werden häufig eher diffus und schwer lokalisierbar empfunden.

Der Raum, der vom Bauchfell umschlossen wird, wird als Bauchfellhöhle bezeichnet. In dieser Höhle liegen viele Verdauungsorgane dicht beieinander. Zwischen den Organen befinden sich nur sehr schmale Spalträume.

In diesen Spalträumen befindet sich die sogenannte Peritonealflüssigkeit. Sie wird vom Bauchfell gebildet und hat eine wichtige Aufgabe: Sie sorgt dafür, dass die Organe bei Bewegung, Atmung und Verdauung reibungslos aneinander vorbeigleiten können. Die Menge dieser Flüssigkeit ist sehr gering und beträgt nur wenige Milliliter.

Intraperitoneale Organe

Organe, die vollständig vom inneren Blatt des Bauchfells überzogen sind, bezeichnet man als intraperitoneale Organe. Diese Organe liegen frei beweglich innerhalb der Bauchfellhöhle.

Zu den intraperitonealen Organen zählen unter anderem der Magen, der Leerdarm, der Krummdarm, Teile des Dickdarms, die Leber und die Milz. Durch ihre Lage sind sie gut beweglich, aber auch empfindlich gegenüber Entzündungen oder Flüssigkeitsansammlungen im Bauchraum.

Hinter dem äußeren Blatt des Bauchfells befindet sich ein schmaler Raum zwischen Bauchfell und hinterer Bauchwand. Dieser Bereich wird als Retroperitonealraum bezeichnet. Dort liegen Organe, die nicht vollständig vom Bauchfell umgeben sind.

Für die Pflege ist dieses Wissen wichtig, um Bauchschmerzen, Bewegungsschmerzen, Abwehrspannung oder Veränderungen im Bauchraum besser zu verstehen und richtig einzuordnen.

Merke dir das gut: Das Bauchfell kleidet die Bauchhöhle aus, ermöglicht das Gleiten der Organe und spielt eine zentrale Rolle bei Schmerzempfinden und Entzündungen im Bauchraum.

Mund und Speicheldrüsen – Anatomie & Funktion

Der Mund ist der erste Abschnitt des Verdauungssystems. Hier beginnt die Nahrungsaufnahme und die erste Verarbeitung der Nahrung. Zähne, Zunge und Speicheldrüsen arbeiten dabei eng zusammen und bereiten die Nahrung auf das Schlucken und die weitere Verdauung vor.

Aufgaben von Mund und Speicheldrüsen

In der Mundhöhle beginnt die Verdauung. Die Nahrung wird hier mit den Zähnen mechanisch zerkleinert, sodass sie geschluckt werden kann. Gleichzeitig formt die Zunge die Nahrung zu einem gut schluckbaren Bissen.

Während des Kauens wird die Nahrung mit Speichel vermischt. Der Speichel befeuchtet die Nahrung und bereitet sie auf die weitere Verdauung vor. Erste Verdauungsvorgänge beginnen bereits im Mund.

In der Mundhöhle wird die Nahrung außerdem auf ihre Genießbarkeit überprüft. Über den Geschmackssinn erkennt der Körper, ob etwas angenehm schmeckt oder möglicherweise schädlich ist. Auf diese Weise trägt der Mund auch zum Schutz vor ungeeigneter oder verdorbener Nahrung bei.

Darüber hinaus erfüllt die Mundhöhle weitere wichtige Aufgaben. Sie ist am Sprechen beteiligt, ermöglicht die Atmung und unterstützt die Abwehr von Krankheitserregern. Speichel enthält Stoffe, die Bakterien hemmen und so zur Mundgesundheit beitragen.

Für die Pflege ist dieses Wissen wichtig, um Schluckstörungen, Mundtrockenheit, Infektionen oder Probleme bei der Nahrungsaufnahme frühzeitig zu erkennen.

Merke dir das gut: Der Mund zerkleinert und befeuchtet die Nahrung, prüft ihre Genießbarkeit und ist an Verdauung, Atmung, Sprache und Abwehr beteiligt.

 

Lage und Aufbau von Mund und Mundhöhle

Der Mund beginnt mit dem sogenannten Mundvorhof. Damit ist der Raum zwischen der Innenseite der Lippen und Wangen sowie den Zähnen gemeint. Die Öffnung zwischen Ober- und Unterlippe wird als Mundspalte bezeichnet. Sie ist der sichtbare Eingang in den Mund.

Hebt man die Oberlippe an, erkennt man oberhalb der Schneidezähne eine kleine Schleimhautfalte. Diese wird Lippenbändchen genannt. Ein solches Bändchen befindet sich auch an der Innenseite der Unterlippe zwischen Lippe und Zahnfleisch. Diese Strukturen stabilisieren die Lippen und begrenzen ihre Beweglichkeit.

Die eigentliche Mundhöhle schließt sich hinter den Zähnen an. Sie reicht von den Zahnreihen bis zum Übergang in den Rachen. Nach oben wird die Mundhöhle durch den Gaumen begrenzt. Dieser trennt den Mundraum von der Nasenhöhle und verhindert, dass Nahrung beim Schlucken in die Nase gelangt.

Nach unten wird die Mundhöhle durch den Mundboden abgeschlossen. Dieser besteht aus mehreren Muskeln, die zwischen dem Unterkiefer und dem Zungenbein verlaufen. Sie sorgen für Stabilität und sind an Bewegungen beim Kauen, Schlucken und Sprechen beteiligt.

In der Mundhöhle liegen die Zunge sowie die Ausführungsgänge der Speicheldrüsen. Über diese Gänge wird der Speichel in den Mund abgegeben und kann sich mit der Nahrung vermischen.

Für die Pflege ist dieses Wissen wichtig, um Veränderungen in der Mundhöhle, Schmerzen, Schwellungen oder Einschränkungen beim Essen und Sprechen richtig einordnen zu können.

Merke dir das gut: Die Mundhöhle beginnt hinter den Zähnen, wird von Gaumen und Mundboden begrenzt und enthält Zunge sowie die Ausführungsgänge der Speicheldrüsen.

Abbildung: Mundhöhle

1. Oberlippe

2. Unterlippe

3. Mundvorhof (Vestibulum oris)

4. Zähne

5. Harter Gaumen (Palatum durum)

6. Weicher Gaumen (Palatum molle)

7. Zäpfchen (Uvula)

8. Rachen (Pharynx)

9. Gaumenmandeln (Tonsilla palatina)

10. Zungenrücken (Dorsum linguae)

Feinbau der Mundhöhle

Der Aufbau der Mundhöhlenwand entspricht in vielen Punkten dem allgemeinen Wandaufbau des Verdauungstraktes. Auch hier bestehen die Wandschichten aus Schleimhaut, Muskelschicht und äußeren Begrenzungsstrukturen.

In der Schleimhaut der Mundhöhle befinden sich zahlreiche kleine Speicheldrüsen. Sie produzieren kontinuierlich Speichel und halten die Mundschleimhaut feucht. Das ist wichtig für das Sprechen, Schlucken und für den Schutz vor Krankheitserregern.

Die Muskelschicht der Mundhöhle ist je nach Bereich unterschiedlich stark ausgeprägt. Besonders kräftig ist sie in den Wangen. Dort liegt der Wangenmuskel. Dieser Muskel sorgt dafür, dass die Nahrung beim Kauen aus dem Mundvorhof in die eigentliche Mundhöhle geschoben wird. Außerdem ist er an Bewegungen wie Pusten und Pfeifen beteiligt.

Eine Besonderheit der Mundhöhle zeigt sich beim äußeren Abschluss der Wand. Anders als in den übrigen Abschnitten des Verdauungssystems bildet hier die Gesichtshaut die äußerste Schicht. Im Bereich der Lippen geht diese Haut in die Schleimhaut der Mundhöhle über. Dieser Übergangsbereich wird als Lippenrot bezeichnet.

Das Lippenrot unterscheidet sich deutlich von der übrigen Gesichtshaut. Es enthält kaum Talgdrüsen und keine Haare. Gleichzeitig liegt unter der dünnen Haut ein dichtes Netz aus feinen Blutgefäßen. Dieses Kapillarnetz verleiht den Lippen ihre typische rote Farbe.

Für die Pflege ist dieses Wissen wichtig, um Veränderungen der Lippen und der Mundschleimhaut, wie Trockenheit, Entzündungen oder Blässe, richtig zu beurteilen.

Merke dir das gut: Die Mundhöhle besitzt eine gut durchblutete Schleimhaut mit Speicheldrüsen und kräftiger Muskulatur, besonders in den Wangen und Lippen.

Die Speicheldrüse

Funktionen der Speicheldrüsen

Die Speicheldrüsen produzieren den Speichel. Dieser wird ständig in kleinen Mengen in die Mundhöhle abgegeben.

Speichel hat mehrere wichtige Aufgaben. Beim Kauen befeuchtet er die Nahrung und macht sie gleitfähig. Dadurch lässt sich der Nahrungsbrei leichter schlucken. Außerdem enthält der Speichel Enzyme. Diese beginnen bereits im Mund mit der Verdauung von Kohlenhydraten. Vor allem Stärke wird durch ein Enzym im Speichel in kleinere Bestandteile aufgespalten.

Neben der Verdauung erfüllt der Speichel auch eine wichtige Schutzfunktion. Er hält die Mundschleimhaut feucht, schützt sie vor Austrocknung und unterstützt die Zahngesundheit. Durch seine Bestandteile hilft er dabei, Bakterien zu kontrollieren und Zahnschäden vorzubeugen.

Merke dir das gut: Speichel befeuchtet die Nahrung, beginnt die Verdauung von Stärke und schützt Zähne sowie Mundschleimhaut.

Aufbau der Speicheldrüsen

Die Speicheldrüsen gehören zu den exokrinen Drüsen. Das bedeutet, dass sie ihr Sekret über Ausführungsgänge nach außen abgeben – in diesem Fall in die Mundhöhle.

Man unterscheidet kleine und große Speicheldrüsen.

Die kleinen Speicheldrüsen liegen direkt in der Schleimhaut von Lippen, Wangen und Gaumen. Sie sind sehr zahlreich. Im Mund befinden sich etwa 600 bis 1000 dieser kleinen Drüsen. Sie sorgen dafür, dass die Mundschleimhaut ständig leicht befeuchtet bleibt.

Die großen Speicheldrüsen liegen außerhalb der Mundschleimhaut. Ihr Speichel gelangt über spezielle Ausführungsgänge in die Mundhöhle.

Zu den großen Speicheldrüsen gehören:

• die Ohrspeicheldrüse
• die Unterkieferspeicheldrüse
• die Unterzungenspeicheldrüse

Abbildung: Speicheldrüsen

1. Ohrspeicheldrüse

2. Unterkieferspeicheldrüse

3. Unterzungenspeicheldrüse

Feinbau der Speicheldrüsen

Alle Speicheldrüsen besitzen einen ähnlichen Aufbau.

Sie bestehen aus vielen kleinen Drüsenläppchen. Diese sind durch Bindegewebe voneinander getrennt. In den Drüsenläppchen befinden sich die sogenannten Drüsenendstücke. Dort wird der Speichel gebildet. Um die Drüsenendstücke herum liegen kleine Muskelzellen, die sogenannten Myoepithelzellen. Wenn sich diese Zellen zusammenziehen, wird der gebildete Speichel aus den Drüsenendstücken herausgedrückt. Der Speichel gelangt anschließend in kleine Ausführungsgänge. Diese vereinigen sich zu größeren Gängen, die schließlich in der Mundhöhle oder im Mundvorhof münden.

Merke dir das gut: Speichel entsteht in den Drüsenendstücken der Speicheldrüsen und wird über Ausführungsgänge in die Mundhöhle abgegeben.

Ohrspeicheldrüse

Die Ohrspeicheldrüse wird auch Parotis genannt. Sie ist die größte Speicheldrüse des Menschen. Jeder Mensch besitzt zwei Ohrspeicheldrüsen. Sie liegen rechts und links vor dem Ohr. Ihr Gewicht beträgt etwa 20 bis 30 Gramm. Die Drüse befindet sich in einer festen Bindegewebshülle und reicht vom Bereich des Kieferwinkels bis zum Jochbeinbogen. Nach vorne wird sie vom Kaumuskel begrenzt. Beim Kauen ziehen sich die Kaumuskeln zusammen. Dabei wird auch die Ohrspeicheldrüse leicht zusammengedrückt. Dadurch wird der Speichel in Richtung Mundhöhle gedrückt.

Der Ausführungsgang der Ohrspeicheldrüse wird Ductus parotideus genannt. Er ist etwa drei bis fünf Zentimeter lang. Der Gang verläuft über den Kaumuskel, durchbohrt den Wangenmuskel und mündet schließlich im Mundvorhof. Die Öffnung befindet sich ungefähr gegenüber dem zweiten oberen Backenzahn. Eine besondere Bedeutung hat die Ohrspeicheldrüse auch aus anatomischer Sicht. Durch ihr Gewebe verläuft der Gesichtsnerv, der sogenannte Nervus facialis. Dieser Nerv verzweigt sich innerhalb der Drüse in mehrere Äste und versorgt einen großen Teil der Gesichtsmuskulatur.

Unterkieferspeicheldrüse

Die Unterkieferspeicheldrüsen liegen unterhalb der Ohrspeicheldrüsen im Bereich des Unterkiefers. Auch sie kommen paarig vor, also jeweils rechts und links. Sie sind von einer festen Bindegewebskapsel umgeben. Der Ausführungsgang der Unterkieferspeicheldrüse wird Ductus submandibularis genannt. Dieser Gang führt zum Mundboden. Dort mündet er auf einer kleinen Erhebung neben dem Zungenbändchen. Diese Stelle liegt hinter den unteren Schneidezähnen.

Unterzungenspeicheldrüse

Die Unterzungenspeicheldrüsen liegen unter der Zunge in der Muskulatur des Mundbodens. Auch sie sind paarig angelegt. Im Vergleich zu den anderen großen Speicheldrüsen sind sie kleiner und länglich geformt. Die Unterzungenspeicheldrüse besteht aus einer Hauptdrüse und mehreren kleineren Nebendrüsen.

Der Ausführungsgang der Hauptdrüse mündet gemeinsam mit dem Gang der Unterkieferspeicheldrüse am Mundboden. Die kleinen Nebendrüsen geben ihren Speichel über mehrere kleine Öffnungen direkt unter der Zunge in die Mundhöhle ab.

Bedeutung für die Pflege

Die Speichelproduktion ist wichtig für eine normale Verdauung, eine gesunde Mundschleimhaut und eine gute Zahngesundheit. Eine verminderte Speichelproduktion kann zu Mundtrockenheit führen. Dadurch steigt das Risiko für Entzündungen der Mundschleimhaut, Schluckprobleme und Zahnschäden.

In der Pflege spielt deshalb die Beobachtung der Mundschleimhaut eine wichtige Rolle. Veränderungen wie Trockenheit, Rötungen, Beläge oder Schmerzen können Hinweise auf eine gestörte Speichelproduktion oder auf Erkrankungen der Mundhöhle sein.

Steuerung der Speichelproduktion

Die Speichelproduktion wird über das vegetative Nervensystem gesteuert. Dieses Nervensystem arbeitet unbewusst und reguliert viele wichtige Körperfunktionen, zum Beispiel Verdauung und Drüsentätigkeit. Für die Steigerung der Speichelproduktion ist vor allem der Parasympathikus verantwortlich. Seine Nervenfasern regen die Bildung von Speichel an.

Die Ohrspeicheldrüse wird über den Nervus glossopharyngeus gesteuert. Die Unterkieferspeicheldrüse und die Unterzungenspeicheldrüse werden über einen Ast des Nervus facialis versorgt. Diese nervale Steuerung sorgt dafür, dass die Speichelproduktion an verschiedene Situationen angepasst wird. Schon der Geruch oder Anblick von Nahrung kann die Speichelbildung steigern.

Speichelmenge

Die verschiedenen Speicheldrüsen tragen unterschiedlich zur Speichelproduktion bei. Den größten Anteil produziert die Unterkieferspeicheldrüse mit etwa 70 Prozent der gesamten Speichelmenge. Die Ohrspeicheldrüse bildet etwa 25 Prozent. Die Unterzungenspeicheldrüse und die kleinen Speicheldrüsen der Mundschleimhaut liefern zusammen ungefähr 5 Prozent.

Insgesamt produziert der Körper täglich etwa 500 bis 1500 Milliliter Speichel.

Aufgaben des Speichels

Speichel erfüllt mehrere wichtige Aufgaben.

Er hält die Mundschleimhaut feucht und schützt sie vor Austrocknung. Beim Kauen vermischt er sich mit der Nahrung und macht den Nahrungsbrei gleitfähig, sodass er leichter geschluckt werden kann. Außerdem unterstützt Speichel die Reinigung der Mundhöhle und trägt zur Abwehr von Krankheitserregern bei.

Merke dir das gut: Speichel befeuchtet die Mundschleimhaut, erleichtert das Schlucken und unterstützt die Abwehr von Krankheitserregern.

Zusammensetzung des Speichels

Speichel besteht zu etwa 99 Prozent aus Wasser. Der restliche Anteil enthält wichtige Bestandteile. Schleimstoffe (Muzine) geben dem Speichel seine leicht zähe Konsistenz und sorgen dafür, dass Nahrung gut gleiten kann. Abwehrstoffe wie Lysozym und Antikörper vom Typ IgA schützen die Mundhöhle vor Krankheitserregern. Mineralstoffe wie Natrium, Kalium, Chlorid und Bikarbonat sind ebenfalls enthalten und tragen zur Stabilität des Mundmilieus bei.

Das Enzym Amylase beginnt bereits im Mund mit der Verdauung von Stärke. Deshalb kann Brot süßlich schmecken, wenn man es lange kaut.

Bedeutung für die Zahngesundheit

Speichel schützt auch die Zähne. Säuren aus der Nahrung können Mineralstoffe aus dem Zahnschmelz lösen. Dieser Vorgang wird Demineralisation genannt. Die im Speichel enthaltenen Mineralstoffe können jedoch wieder in den Zahnschmelz eingebaut werden. Dieser Prozess heißt Remineralisation. Dadurch hilft Speichel, den Zahnschmelz zu schützen und kleine Schäden auszugleichen.

Merke dir das gut: Speichel schützt die Zähne, indem er Säuren abpuffert und Mineralstoffe wieder in den Zahnschmelz einbauen kann.

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