Lernmethoden
Dein Werkzeugkasten fürs Lernen
Ziel des Lernens ist es, Wissen aufzunehmen, es zu verstehen und langfristig zu behalten. In diesem Prozess stehen uns Lernmethoden als eine Art Werkzeug zur Verfügung. Wie schon gesagt: Es gibt keine perfekte Methode, die für jeden Menschen und jede Situation funktioniert. Entscheidend ist, dass du Methoden findest, die zu dir, deinem Alltag und deiner Ausbildung passen.
Wir sind alle Gewohnheitstiere. Deshalb lernen wir oft entweder nach Gefühl oder so, wie wir es „immer schon gemacht haben“. Das führt nicht selten zu Frust, Zeitverlust und unnötigem Prüfungsstress. Mit den richtigen Lernmethoden kannst du gezielter lernen, deine Zeit besser nutzen und mehr Sicherheit gewinnen – auch dann, wenn der Ausbildungsalltag stressig ist. Man darf dabei nicht vergessen: Wir sind nicht nur Auszubildende, sondern auch lebendige Teenager, verantwortungsvolle Eltern oder Menschen, die außerhalb der Ausbildung ein eigenes Leben haben.
Im Folgenden stelle ich dir bewährte Lernmethoden vor. Du musst nicht alle anwenden. Such dir die Methoden heraus, die zu dir passen, und kombiniere sie sinnvoll. Lernen ist kein starres System, sondern ein Prozess, den du aktiv gestalten kannst.
Diese Lernmethoden schauen wir uns an:
– Zusammenfassungen schreiben
– Lernen mit Erklärvideos und Fachliteratur
– Karteikarten sinnvoll nutzen
– Lernen durch Anwenden und Praxisbezug
– Wiederholen mit System
– Lernen in Lerngruppen
– Lautes Erklären (sich selbst oder anderen)
Zusammenfassungen schreiben - Was ist das?
Zusammenfassungen gehören zu den am häufigsten genutzten Lernmethoden – und gleichzeitig zu den am häufigsten falsch angewendeten. Ziel einer Zusammenfassung ist es nicht, den gesamten Lernstoff abzuschreiben, sondern die wichtigsten Inhalte so aufzubereiten, dass du sie verstehst und später schnell wiederholen kannst. Eine gute Zusammenfassung hilft dir dabei, Ordnung in komplexe Themen zu bringen und Zusammenhänge besser zu erkennen.
Wann ist diese Methode sinnvoll?
Zusammenfassungen eignen sich besonders gut:
– um neue Themen zu strukturieren
– zur Vorbereitung auf Prüfungen
– um umfangreichen Lernstoff zu reduzieren
– als Grundlage für Wiederholungen
Gerade in der Pflegeausbildung, in der viel Theorie auf wenig Zeit trifft, kann diese Methode sehr hilfreich sein – wenn sie richtig eingesetzt wird.
Typische Fehler beim Zusammenfassen:
– Texte werden fast wortgleich aus dem Buch oder Skript übernommen
– es wird zu viel geschrieben, statt zu reduzieren
– Inhalte werden gesammelt, aber nicht verstanden
– die Zusammenfassung wird nie wieder angeschaut
In diesen Fällen kostet die Methode viel Zeit, bringt aber wenig Lernerfolg.
Mein Tipp aus der Praxis
Eine Zusammenfassung sollte kurz, übersichtlich und verständlich sein.
Schreibe sie immer mit deinen eigenen Worten und frage dich dabei:
„Könnte ich dieses Thema jemand anderem erklären?“
Nutze Farben, Überschriften und einfache Skizzen, um Inhalte zu strukturieren. Und ganz wichtig: Eine Zusammenfassung ist kein Endprodukt. Sie ist eine Arbeitsgrundlage, die du später wieder nutzt – zum Wiederholen, Ergänzen und Festigen.
Versuche, deine Zusammenfassung möglichst am gleichen Tag auszuarbeiten, an dem du den Input in der Schule bekommen hast. So ist der Stoff noch präsent und du musst weniger Zeit damit verbringen, dich wieder einzuarbeiten.
Wenn du an einem Tag mehrere Fächer hattest und diese ebenfalls bearbeiten möchtest, plane bewusst Pausen zwischen den Themen ein. Das hilft, den Kopf frei zu bekommen und die Inhalte voneinander zu trennen.
Manchmal reicht schon ein kurzer Spaziergang, um frische Luft zu tanken und den Kopf wieder klar zu bekommen. Lernen findet nicht nur am Schreibtisch statt.
Für wen eignet sich diese Methode besonders?
Das Schreiben von Zusammenfassungen eignet sich besonders für Auszubildende, die Inhalte gerne strukturiert und visuell aufbereiten. Wenn du beim Schreiben merkst, dass du Zusammenhänge besser verstehst oder dir Inhalte dadurch länger im Kopf bleiben, kann diese Methode für dich sehr hilfreich sein.
Auch für Lernende, die sich beim reinen Lesen schwer konzentrieren können, ist das aktive Schreiben eine gute Unterstützung. Durch das Formulieren mit eigenen Worten setzt du dich intensiver mit dem Lernstoff auseinander und kommst automatisch ins Verstehen, statt nur auswendig zu lernen.
Weniger geeignet ist diese Methode, wenn du Zusammenfassungen nur abschreibst oder sie erstellst, ohne später wieder damit zu arbeiten. In diesem Fall kostet sie viel Zeit, ohne dir wirklich zu helfen. Kombiniert mit anderen Lernmethoden, zum Beispiel Erklärvideos oder praktischem Anwenden, kann sie jedoch auch dann sinnvoll sein.
Praxisbezug in der Pflegeausbildung
Zusammenfassungen sind besonders hilfreich, wenn du sie gezielt mit der Praxis verbindest. Nach einem Schultag oder einem Praxiseinsatz kannst du zentrale Inhalte kurz zusammenfassen, zum Beispiel Krankheitsbilder, Pflegemaßnahmen oder Beobachtungskriterien. So verknüpfst du das Gelernte direkt mit dem, was du im Alltag siehst und tust.
Was ich zu meiner Ausbildungszeit gerne gemacht habe:
Bei Krankheitsbildern habe ich das frisch Gelernte bewusst mit meinen Bewohnerinnen und Bewohnern aus der Praxis verknüpft. So konnte ich Symptome, Beobachtungen und Pflegemaßnahmen besser einordnen und mir langfristig merken.
Durch diese Verbindung von Theorie und Praxis wurde der Lernstoff greifbarer und verständlicher. Es ging nicht mehr nur um Fakten aus dem Buch, sondern um reale Menschen und Situationen aus meinem Arbeitsalltag.
Auch zur Vorbereitung auf einen Einsatz oder eine praktische Prüfung können Zusammenfassungen sinnvoll sein. Wenn du dir vorab die wichtigsten Punkte zu einem Thema notierst, gehst du strukturierter in den Dienst und fühlst dich sicherer im Handeln.
In der Pflegeausbildung geht es nicht darum, Wissen nur zu sammeln, sondern es anwenden zu können. Gut gemachte Zusammenfassungen helfen dir dabei, theoretische Inhalte in die Praxis zu übertragen und Schritt für Schritt Routine zu entwickeln.
Lernen mit Erklärvideos und Fachliteratur - Was ist das?
Erklärvideos und Fachliteratur sind feste Bestandteile der Pflegeausbildung. Sie vermitteln Grundlagen, Zusammenhänge und Hintergrundwissen zu Krankheitsbildern, Pflegemaßnahmen und rechtlichen Themen. Richtig eingesetzt können sie dir helfen, komplexe Inhalte verständlicher zu machen und Zusammenhänge besser zu erfassen.
Viele Auszubildende nutzen Videos oder Bücher jedoch passiv. Sie schauen zu, lesen durch, alles mit dem Gedanken dass etwas hängen bleibt. Wirklich effektiv wird diese Lernmethode erst dann, wenn du sie mit anderen Lernmethoden kombinierst.
Aus meiner Erfahrung heraus hat sich folgende Reihenfolge bewährt:
Zuerst lese ich mich in ein Thema ein, um ein grundlegendes Verständnis zu bekommen. Danach nutze ich ein Erklärvideo als vereinfachte und visuelle Ergänzung des Gelesenen. Zum Schluss arbeite ich eine eigene Zusammenfassung aus.
Das hört sich zunächst nach viel Arbeit an. Das Ergebnis lohnt sich jedoch, denn genau diese Kombination bringt dich in der Ausbildung nachhaltig weiter und sorgt dafür, dass Wissen nicht nur kurzfristig, sondern langfristig hängen bleibt.
Wann ist diese Methode sinnvoll?
Diese Lernmethode eignet sich besonders gut:
– zum Einstieg in neue Themen
– wenn dir Zusammenhänge noch unklar sind
– zur Vorbereitung auf Unterricht oder Praxis
– zur Wiederholung vor Prüfungen
Gerade bei komplexen Krankheitsbildern oder neuen Pflegemaßnahmen können Erklärvideos helfen, einen ersten Überblick zu bekommen, bevor du tiefer ins Thema einsteigst.
Typische Fehler beim Lernen mit Videos und Fachliteratur:
- das Video wird als einzige Quelle genutzt ohne zu lesen
– Videos werden nebenbei geschaut, ohne wirklich zuzuhören
– Bücher werden gelesen, ohne Inhalte zu verarbeiten
– zu viele Quellen gleichzeitig
– keine Verknüpfung mit der Praxis
In diesen Fällen fühlt es sich zwar nach Lernen an, der tatsächliche Lernerfolg bleibt jedoch gering.
Was ich in meinen Videos immer wieder betone, ist, dass Videos eine Unterstützung, eine Wiederholung oder eine Hilfestellung zum besseren Verständnis sein sollen, aber keine alleinstehende Lernquelle.
Erklärvideos können Lernen erleichtern, sie ersetzen jedoch nicht das eigene Nachdenken, Strukturieren und Anwenden des Wissens.
Mein Tipp aus der Praxis
Nutze Fachliteratur und Erklärvideos bewusst als Einstieg oder Ergänzung.
Schau dir ein Video oder einen Textabschnitt gezielt an und halte anschließend die wichtigsten Punkte schriftlich fest. Frage dich dabei:
„Was ist neu für mich?“
„Was habe ich noch nicht verstanden?“
Kombiniere diese Methode am besten mit Zusammenfassungen oder dem Anwenden in der Praxis. So wird aus passivem Konsum aktives Lernen.
Ein zusätzlicher Tipp für alle, die Deutsch als Zweitsprache gelernt haben:
Wenn du Begriffe oder Inhalte nicht vollständig verstehst, übersetze sie bei Bedarf. Nutze auch Synonyme, um Fachbegriffe besser einzuordnen und zu verstehen. Genau dieser Schritt kann dabei helfen, Zusammenhänge klarer zu sehen und Inhalte sicherer zu behalten.
Auch das basiert auf eigener Erfahrung, die ich selbst in meiner Ausbildung gemacht habe.
Für wen eignet sich diese Methode besonders?
Diese Lernmethode eignet sich besonders für Auszubildende, die Informationen gut über Hören und Lesen aufnehmen. Wenn du merkst, dass dir Erklärungen helfen, Zusammenhänge zu verstehen, ist diese Methode eine gute Basis für dein Lernen.
Wichtig ist jedoch: Auch wenn du gerne mit Videos oder Büchern lernst, solltest du die Inhalte weiterverarbeiten. Erst durch Schreiben, Anwenden oder Erklären wird das Wissen gefestigt.
Praxisbezug in der Pflegeausbildung
Erklärvideos und Fachliteratur können dir helfen, Situationen aus der Praxis besser zu verstehen. Wenn du im Dienst mit einem Krankheitsbild oder einer Pflegemaßnahme konfrontiert bist, kannst du gezielt dazu Inhalte nachschlagen oder ein kurzes Video ansehen. Dadurch ordnest du das Erlebte fachlich ein und gewinnst Sicherheit im Umgang mit Bewohnerinnen, Bewohnern oder Patientinnen und Patienten.
Besonders sinnvoll ist es, Theorie und Praxis zeitnah zu verbinden. Je näher Lernen und Erleben beieinander liegen, desto besser bleibt das Wissen erhalten. Ein großer Vorteil sind die Videos auf meinem Pflege Kanal, die du dir gezielt vor einem Dienst oder im Zusammenhang mit einem bestimmten Bewohner ansehen kannst, um das Gesehene direkt in der Praxis anzuwenden.
Karteikarten sinnvoll nutzen - Was ist das?
Karteikarten sind eine klassische Lernmethode und werden in der Pflegeausbildung häufig eingesetzt. Richtig genutzt helfen sie dabei, Wissen in kleinen, überschaubaren Einheiten zu lernen und regelmäßig zu wiederholen. Besonders für Fakten, Begriffe und kurze Zusammenhänge können Karteikarten sehr effektiv sein.
Wichtig ist jedoch: Karteikarten sind kein Ersatz für Verstehen. Sie funktionieren nur dann gut, wenn du die Inhalte zuvor verstanden und sinnvoll aufbereitet hast.
Wann ist diese Methode sinnvoll?
Karteikarten eignen sich besonders gut:
– zum Lernen von Fachbegriffen
– für Definitionen und kurze Merksätze
– zur Wiederholung vor Prüfungen
– für Lernen in kurzen Zeitfenstern
Gerade wenn du wenig Zeit hast oder unterwegs bist, lassen sich Karteikarten gut in den Alltag integrieren.
Typische Fehler beim Lernen mit Karteikarten:
– zu viel Text auf einer Karte
– reines Abfragen ohne Verständnis
– Karten werden erstellt, aber kaum genutzt
– unregelmäßiges Wiederholen
In diesen Fällen fühlen sich Karteikarten schnell nach zusätzlicher Arbeit an, ohne den gewünschten Lernerfolg zu bringen.
Mein Tipp aus der Praxis
Halte deine Karteikarten so einfach wie möglich. Eine Frage oder ein Begriff auf der Vorderseite, eine klare und kurze Antwort auf der Rückseite. Wenn du beim Lesen merkst, dass du den Inhalt nicht erklären könntest, ist die Karte zu komplex.
Nutze Karteikarten nicht isoliert, sondern als Ergänzung zu anderen Lernmethoden. Besonders sinnvoll ist es, sie auf Basis deiner Zusammenfassungen zu erstellen. So wiederholst du den Stoff automatisch und festigst ihn zusätzlich.
Karteikarten kannst du auch fertig kaufen. Das kann hilfreich sein, wenn du gerne mit klaren Vorgaben arbeitest oder dir das Erstellen eigener Karten schwerfällt. Karteikarten von Verlagen sind oft sinnvoll, da sie inhaltlich an die jeweiligen Lehrbücher gekoppelt sind.
Ein möglicher Nachteil dabei ist jedoch, dass sie häufig in der gleichen Fachsprache geschrieben sind wie die Bücher selbst. Probiere daher aus, was für dich besser funktioniert, gekaufte oder selbst erstellte Karteikarten. Wichtig ist nicht die Form, sondern dass du einen Weg findest, der zu dir passt.
Für wen eignet sich diese Methode besonders?
Diese Lernmethode eignet sich besonders für Auszubildende, die gerne in kurzen Lerneinheiten arbeiten und Inhalte regelmäßig wiederholen möchten. Auch für Lernende, die sich mit klaren Strukturen und festen Abläufen wohler fühlen, können Karteikarten sehr hilfreich sein.
Wichtig ist auch hier die Kombination: Karteikarten helfen beim Festigen, nicht beim erstmaligen Verstehen.
Ich kann mir gut vorstellen, ein Thema zunächst im Buch zu lesen, anschließend ein passendes Video anzusehen und danach eine eigene Zusammenfassung zu erstellen. Erst nach diesem Prozess würde ich Karteikarten anlegen und diese gezielt als Wiederholeinheiten nutzen.
Um das Ganze noch einen Schritt weiterzuführen, kannst du deine Karteikarten auch abfotografieren und auf dem Handy speichern. So hast du dein Lernmaterial jederzeit dabei und kannst es unterwegs, zum Beispiel in Pausen oder auf dem Weg zur Arbeit, nutzen.
Praxisbezug in der Pflegeausbildung
In der Pflegeausbildung lassen sich Karteikarten gut für typische Prüfungsthemen nutzen, zum Beispiel Fachbegriffe, Krankheitsbilder, Symptome oder Pflegeschritte. Auch zur Vorbereitung auf praktische Prüfungen können sie helfen, Abläufe im Kopf durchzugehen und Sicherheit zu gewinnen.
Wenn du Karteikarten regelmäßig nutzt, können sie dir dabei helfen, Wissen über einen längeren Zeitraum präsent zu halten – auch in stressigen Phasen der Ausbildung.
Lernen durch Anwenden (Praxislernen) - Was ist das?
Lernen durch Anwenden bedeutet, theoretisches Wissen bewusst in die Praxis zu übertragen. In der Pflegeausbildung ist diese Lernmethode besonders wichtig, da viele Inhalte erst dann wirklich verstanden werden, wenn man sie im Alltag erlebt, beobachtet und selbst umsetzt.
Theorie und Praxis gehören zusammen. Erst wenn du weißt, warum du etwas tust, und es wie und wann anwendest, entsteht echtes Verständnis. Praxislernen hilft dir dabei, Sicherheit zu gewinnen und Routinen aufzubauen.
Wann ist diese Methode sinnvoll?
Diese Lernmethode ist besonders sinnvoll:
– bei praktischen Pflegemaßnahmen
– beim Verstehen von Krankheitsbildern
– zur Vorbereitung auf praktische Prüfungen
– um Theorie greifbar zu machen
Gerade in der Pflegeausbildung, in der viel Verantwortung getragen wird, ist das bewusste Anwenden von Wissen ein entscheidender Lernschritt.
Typische Fehler beim Praxislernen:
– Tätigkeiten werden ausgeführt, ohne den Hintergrund zu verstehen
– Abläufe werden nur nachgemacht
– Fragen werden aus Unsicherheit nicht gestellt
– Erfahrungen werden nicht reflektiert
In diesen Fällen bleibt Lernen oberflächlich und das Wissen wird nicht gefestigt.
Mein Tipp aus der Praxis
Nutze jede Situation in der Praxis als Lernchance. Frage dich bewusst:
„Warum mache ich diese Maßnahme?“
„Was beobachte ich bei dem Bewohner oder der Patientin?“
„Was hat das mit dem Gelernten aus der Schule zu tun?“
Notiere dir Auffälligkeiten, Fragen oder Unsicherheiten und greife diese später wieder auf, zum Beispiel beim Nachlesen, in Videos oder beim Schreiben einer kurzen Zusammenfassung. So wird aus Alltag bewusstes Lernen.
Gerade hier ist es sehr wichtig, neugierig zu sein und Fragen zu stellen. Sprich mit deinem Praxisanleiter, mit Kolleginnen und Kollegen, mit Fachkräften oder auch mit deinen Mitschülerinnen und Mitschülern. Tausche Informationen aus und sammle unterschiedliche Erfahrungen.
Nicht alles, was in der Schule unterrichtet wird, ist in der Praxis eins zu eins anwendbar. Und nicht alles, was du in der Praxis siehst, ist schulisch oder fachlich korrekt. Finde auch hier deinen eigenen Weg und eine gesunde Mitte zwischen Theorie und Praxis.
Für wen eignet sich diese Methode besonders?
Diese Lernmethode eignet sich für alle Auszubildenden, unabhängig vom Lerntyp. Besonders hilfreich ist sie für Lernende, die Inhalte besser verstehen, wenn sie sie sehen, fühlen und selbst umsetzen können.
Gerade für motorische und kommunikative Lerntypen ist das Praxislernen ein zentraler Bestandteil des Lernprozesses.
Praxisbezug in der Pflegeausbildung
In der Pflegeausbildung lernst du jeden Tag in der Praxis – ob du es bewusst wahrnimmst oder nicht. Wenn du Pflegemaßnahmen aktiv reflektierst und mit theoretischem Wissen verbindest, entwickelst du nicht nur fachliche Sicherheit, sondern auch ein besseres Gefühl für Situationen und Menschen.
Was ich in meiner Ausbildung gerne gemacht habe:
Ich habe mir für jeden Praxistag bewusst ein bestimmtes Thema vorgenommen und versucht, dieses gezielt anzuwenden. Hatte ich zum Beispiel am Vortag das Thema Sturzprophylaxe ausgearbeitet, habe ich mir im Dienst die „Bonusaufgabe“ gesetzt, besonders auf mögliche Stolperfallen zu achten und diese bewusst wahrzunehmen und zu verankern.
Sobald ein Thema für mich sicher saß, habe ich mir eine neue Aufgabe gesucht und diese mit einem anderen Thema verknüpft. So wurde aus jedem Praxistag eine aktive Lerneinheit – ohne zusätzlichen Druck, aber mit echtem Lernerfolg.
Lernen durch Anwenden bedeutet nicht, alles sofort perfekt zu können. Es bedeutet, Erfahrungen zu sammeln, Fragen zu stellen und Schritt für Schritt besser zu werden.
Wiederholen mit System - Was ist das?
Unser Gehirn vergisst Informationen, wenn wir sie nicht regelmäßig abrufen. Genau hier setzt die Lernmethode „Wiederholen mit System“ an. Aus meiner Erfahrung hilft es enorm, Lerninhalte nicht dem Zufall zu überlassen, sondern sie bewusst und regelmäßig zu wiederholen.
Durch geplantes Wiederholen festigst du Wissen Schritt für Schritt und sorgst dafür, dass Inhalte nicht nur kurzfristig hängen bleiben, sondern langfristig verfügbar sind, gerade in stressigen Situationen wie Prüfungen oder im Praxisalltag.
Wann ist diese Methode sinnvoll?
Diese Lernmethode ist besonders sinnvoll:
– zur langfristigen Vorbereitung auf Prüfungen
– um bereits Gelerntes präsent zu halten
– bei umfangreichen Themengebieten
– wenn wenig Lernzeit zur Verfügung steht
Regelmäßiges Wiederholen hilft dir, Lernstress zu reduzieren, weil du nicht alles auf einmal lernen musst.
Typische Fehler beim Wiederholen
– Wiederholen erst kurz vor der Prüfung
– stundenlanges Wiederlesen ohne aktive Auseinandersetzung
– kein fester Rhythmus
– Wiederholen ohne klare Struktur
In diesen Fällen fühlt sich Wiederholen anstrengend an, bringt aber wenig nachhaltigen Lernerfolg.
Mein Tipp aus der Praxis
Plane Wiederholungen bewusst ein. Kurze, regelmäßige Einheiten sind effektiver als lange Lernmarathons. Nutze dafür deine Zusammenfassungen, Karteikarten oder kurze Notizen.
Eine einfache Möglichkeit ist, Inhalte nach einem festen Rhythmus zu wiederholen, zum Beispiel:
– am nächsten Tag
– nach einer Woche
– nach einem Monat
So merkt dein Gehirn, dass die Informationen wichtig sind, und speichert sie zuverlässiger ab.
Denk immer daran: Die Ausbildung dauert drei Jahre. Inhalte begleiten dich über die gesamte Ausbildungszeit hinweg. Je häufiger du sie wiederholst, desto sicherer wirst du im Fachgespräch, in Klausuren und im praktischen Handeln.
Für wen eignet sich diese Methode besonders?
Normalerweise würde man an dieser Stelle schreiben:
„Diese Lernmethode eignet sich für alle Auszubildenden – unabhängig vom Lerntyp.“
Ich möchte es jedoch offen und ehrlich formulieren:
Diese Methode ist ein Muss. Alles, was du nicht wiederholst, wirst du mit der Zeit vergessen. Das ist kein persönliches Versagen, sondern eine ganz normale Funktion unseres Gehirns.
Besonders hilfreich ist diese Methode für alle, die sich schnell unter Druck setzen oder kurz vor Prüfungen das Gefühl haben, „alles wieder vergessen zu haben“. Regelmäßiges Wiederholen schafft Sicherheit, Struktur und Vertrauen in das eigene Wissen.
Praxisbezug in der Pflegeausbildung
In der Pflegeausbildung begegnen dir viele Themen immer wieder – sei es in der Schule, in der Praxis oder in Prüfungen. Wenn du Inhalte regelmäßig wiederholst, erkennst du Zusammenhänge schneller und kannst Wissen sicher abrufen.
Wiederholen mit System hilft dir nicht nur beim Bestehen von Prüfungen, sondern auch dabei, im Pflegealltag souveräner zu handeln. Du weißt, was du tust – und warum.
Ergänzend: Lernen in Gruppen und lautes Erklären
Lernen muss nicht immer alleine stattfinden. Der Austausch mit anderen Auszubildenden kann helfen, Inhalte aus einer anderen Perspektive zu sehen und eigene Wissenslücken zu erkennen. Besonders das laute Erklären von Themen – sei es in einer Lerngruppe oder für sich selbst – ist eine sehr wirkungsvolle Methode, um Wissen zu festigen.
Wenn du etwas erklären kannst, hast du es in der Regel verstanden. Dabei geht es nicht darum, alles perfekt zu formulieren, sondern Inhalte in eigene Worte zu fassen. Fragen von anderen oder Rückmeldungen aus der Gruppe helfen zusätzlich dabei, Zusammenhänge klarer zu sehen.
Wenn du wirklich sicher sein möchtest, dass du ein Thema beherrschst, finde jemanden, der nichts mit deinem Beruf zu tun hat, und erkläre es ihm. Hat die Person es verstanden, kannst du davon ausgehen, dass dein Wissen sitzt. Versteht sie nur Bahnhof, ist das ein klares Zeichen, dass du noch einmal an das Thema heran solltest.
Hier noch ein Tipp der aus persönliche Erfahrung:
Stell dich vor den Spiegel und erkläre deinem Spiegelbild ein Thema. Das mag sich zunächst ungewohnt anfühlen, gibt dir aber Sicherheit. Besonders dann, wenn du einen Vortrag in der Schule halten musst, ein Fachgespräch führst oder im Examen stehst, deinem ultimativen Ziel in der Ausbildung.
Wichtig ist jedoch: Gruppenlernen ersetzt kein eigenes Lernen. Es funktioniert am besten, wenn alle Beteiligten vorbereitet sind und konkrete Fragen oder Themen mitbringen. Richtig eingesetzt kann diese Methode eine wertvolle Ergänzung zu den anderen Lernmethoden sein.
Aus Erfahrung kann ich sagen, dass Gruppenlernen vor allem zum Wiederholen oder Ergänzen geeignet ist. Häufig entsteht Frust, wenn du selbst gut vorbereitet bist oder hohe Erwartungen an deine Mitschülerinnen und Mitschüler hast, diese aber nicht erfüllt werden. Deshalb ist es wichtig, Gruppenlernen bewusst und mit klaren Zielen einzusetzen.
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