Fachsprache in der Pflege
Verständlich erklärt für die Ausbildung
In diesem Bereich lernst du grundlegende Begriffe der pflegerischen Fachsprache, die dir während der gesamten Ausbildung begegnen werden. Viele dieser Begriffe stammen aus dem Lateinischen und helfen dabei, Strukturen im Körper und ihre Lage eindeutig zu beschreiben. Diese Begriffe werden von Ärzten in Berichten und Entlassungsbriefen verwendet. Um die Pflege fachlich und gezielt zu planen, musst du diese Sprache verstehen.
Gerade in der Pflege ist es wichtig, sich klar und unmissverständlich auszudrücken. Begriffe wie „vor“ oder „hinter“ können je nach Körperposition unterschiedlich verstanden werden. Fachbegriffe hingegen sind eindeutig definiert und sorgen dafür, dass Informationen korrekt weitergegeben werden – unabhängig von der Situation.
Die Inhalte auf dieser Seite helfen dir, die wichtigsten Begriffe sicher zu verstehen, richtig einzuordnen und im Pflegealltag anzuwenden. Gleichzeitig unterstützt dich dieses Wissen dabei, Zusammenhänge besser zu erkennen und dich gezielt auf Prüfungen vorzubereiten.
Anatomische Lage- und Richtungsbezeichnungen
Anatomische Lage- und Richtungsbezeichnungen helfen dir dabei, genau zu beschreiben, wo sich etwas im Körper befindet. Sie zeigen dir, wie einzelne Strukturen zueinander liegen und wie sie im Körper ausgerichtet sind. Man spricht hier auch von der sogenannten räumlichen Orientierung (Topographie).
Wichtig ist: Diese Angaben sind immer relativ. Das bedeutet, sie beziehen sich auf einen bestimmten Punkt im Körper.
Zum Beispiel:
- medial bedeutet: zur Körpermitte hin
- lateral bedeutet: von der Körpermitte weg
Oder bezogen auf ein Organ:
- oral bedeutet: in Richtung Mund
- aboral bedeutet: vom Mund weg
Diese Begriffe helfen dir, Strukturen im Körper klar und eindeutig einzuordnen.
Anatomische Richtungsbezeichnungen und Körperebenen sind deshalb ein wichtiger Teil der Fachsprache. Sie sorgen dafür, dass alle im medizinischen Bereich dieselbe Sprache sprechen egal ob Pflegekraft, Arzt oder Therapeut.
Damit diese Begriffe immer gleich verstanden werden, gibt es eine feste Ausgangsposition: die anatomische Normalposition. Das ist eine gedachte Standardhaltung des Körpers. Alle Lage- und Richtungsbezeichnungen beziehen sich immer auf diese Position unabhängig davon, wie der Patient tatsächlich liegt oder sitzt.
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Anatomische Normalposition
Damit Lage- und Richtungsbezeichnungen immer gleich verstanden werden, gibt es eine feste Bezugshaltung: die anatomische Normalposition. Sie dient als gemeinsame Grundlage, auf die sich alle Fachbegriffe beziehen unabhängig davon, wie der Patient tatsächlich liegt oder sitzt.
In dieser Position steht die Person:
- aufrecht
- die Arme hängen seitlich am Körper
- die Handflächen zeigen nach vorn
- die Daumen zeigen vom Körper weg
Die Füße:
- stehen leicht auseinander
- sind parallel ausgerichtet
- die Zehen zeigen nach vorn
Der Kopf ist:
- gerade nach vorn gerichtet
- der Blick geht nach vorne
Merke dir:
Alle anatomischen Begriffe beziehen sich immer auf diese Position, auch wenn der Patient im Bett liegt oder sitzt.
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Richtungsbezeichnungen
Richtungsbezeichnungen helfen dir dabei, die Lage eines Körperteils im Verhältnis zu einem anderen genau zu beschreiben. Sie sind ein wichtiger Teil der Fachsprache und sorgen dafür, dass alle im medizinischen Bereich dieselben Begriffe verwenden.
Damit du den Überblick behältst, sind die Begriffe in sinnvolle Gruppen eingeteilt.
1. Allgemeine Richtungsbezeichnungen
Diese Begriffe brauchst du am häufigsten im Pflegealltag:
- anterior → vorne
- posterior → hinten
- superior → oben / kopfwärts
- inferior → unten / fußwärts
- dexter → rechts
- sinister → links
Merke dir:
Rechts und links gelten immer aus Sicht des Patienten.
2. Richtungsbezeichnungen am Rumpf
- ventral → zur Vorderseite (Bauch)
- dorsal → zur Rückseite (Rücken)
- kranial → zum Kopf hin
- kaudal → zu den Füßen hin
Diese Begriffe sind besonders wichtig, weil sie lageunabhängig sind.
3. Richtungsbezeichnungen am Kopf
- rostral → zur Nase / zum Mund hin
- occipital → zum Hinterkopf hin
- oral → zum Mund hin
- aboral → vom Mund weg
- temporal → zur Schläfe hin
- nasal → zur Nase hin
4. Richtungsbezeichnungen an Armen und Beinen
Unterarm:
- ulnar → zur Elle hin
- radial → zur Speiche hin
Unterschenkel:
- tibial → zum Schienbein hin
- fibular → zum Wadenbein hin
5. Richtungsbezeichnungen an Hand und Fuß
Hand:
- palmar / volar → zur Handfläche hin
- dorsal → zum Handrücken hin
Fuß:
- plantar → zur Fußsohle hin
- dorsal → zum Fußrücken hin
6. Lage zur Körpermitte (Median)
- median → genau in der Mitte
- medial → zur Mitte hin
- lateral → von der Mitte weg
- paramedian → neben der Mitte
- ipsilateral → gleiche Körperseite
- kontralateral → gegenüberliegende Seite
7. Lage zum Rumpf
- proximal → körpernah / zum Rumpf hin
- distal → körperfern / vom Rumpf weg
8. Lage zur Körpermitte (funktionell)
- zentral → zur Körpermitte hin
- peripher → zur Körperoberfläche / nach außen
- zentripetal → von außen nach innen
- zentrifugal → von innen nach außen
9. Lage zur Oberfläche
- superficialis → oberflächlich
- profundus → tief gelegen
- externus → außen
- internus → innen
10. Besonderheit: Steinschnittlage (Uhr-System)
In bestimmten Situationen (z. B. OP) wird die Lage auch wie eine Uhr beschrieben:
- 12 Uhr → vorne (Bauchseite)
- 3 Uhr → links (Patientensicht)
- 6 Uhr → hinten (Rückenseite)
- 9 Uhr → rechts (Patientensicht)
Du musst dir nicht alles auf einmal merken. Wichtig ist, die Grundbegriffe sicher zu können und den Rest nach und nach zu verstehen. Mit der Zeit wirst du merken, dass dir diese Begriffe helfen, alles viel schneller zu verstehen.
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Körperebenen
Körperebenen sind gedachte Ebenen, die durch den Körper verlaufen. Sie helfen dir dabei, den Körper in Abschnitte zu unterteilen und Strukturen besser zu beschreiben. Diese Ebenen sind wichtig, um Bilder, Befunde und anatomische Angaben richtig zu verstehen, zum Beispiel in CT- oder MRT-Aufnahmen.
Frontalebene (Koronalebene)
Die Frontalebene verläuft senkrecht durch den Körper. Sie teilt den Körper in:
- einen vorderen Abschnitt (anterior)
- einen hinteren Abschnitt (posterior)
Du kannst sie dir wie eine Wand vorstellen, die den Körper in vorne und hinten trennt.
Sagittalebene
Die Sagittalebene verläuft ebenfalls senkrecht durch den Körper. Sie teilt den Körper in:
- eine linke Seite
- eine rechte Seite
Verläuft diese Ebene genau durch die Mitte, spricht man von der Medianebene. Diese teilt den Körper in zwei gleich große Hälften.
Transversalebene
Die Transversalebene verläuft waagerecht durch den Körper. Sie teilt den Körper in:
- einen oberen Abschnitt (superior)
- einen unteren Abschnitt (inferior)
Diese Ebene ist besonders wichtig in der Diagnostik, z. B. bei CT oder MRT, wo der Körper in „Scheiben“ dargestellt wird.
Die Körperebenen sind wichtig, weil sie dir helfen, Befunde besser zu verstehen, dich räumlich im Körper zu orientieren und Fachbegriffe schneller einzuordnen. Zusammen mit den Richtungsbezeichnungen bilden sie die Grundlage der anatomischen Sprache.
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Körperachsen
Körperachsen sind gedachte Linien, die durch den Körper verlaufen. Sie helfen dir dabei zu verstehen, um welche Achse sich eine Bewegung im Körper dreht. Diese Achsen entstehen dort, wo sich zwei Körperebenen schneiden. Sie sind besonders wichtig, wenn es um Bewegungen in Gelenken geht.
Wichtig:
Bewegungen finden immer um eine Achse und in einer Ebene statt.
Horizontale Achse (mediolaterale Achse)
Die horizontale Achse verläuft: von links nach rechts durch den Körper. Sie entsteht durch den Schnitt von der Frontal- und der Transversalebene.
Beispiel: Das Ellenbogengelenk. Die Bewegungen, die es ausübt sind Beugen und Strecken (Flexion / Extension). Dies findet in der Sagittalebene statt.
Vertikale Achse (longitudinale Achse)
Die vertikale Achse verläuft von oben (Kopf) nach unten (Füße). Sie entsteht durch den Schnitt von: Frontalebene und Sagittalebene
Beispiel: Die Rotation in der Schulter. Die Bewegung des Schultergelenks ist eine Innen- und Außenrotation. Diese findet in der Transversalebene statt.
Sagittale Achse (anteroposteriore Achse)
Die sagittale Achse verläuft von vorne nach hinten durch den Körper. Sie entsteht durch den Schnitt von der Sagittalebene und der Transversalebene.
Beispiel: Das Schultergelenk. Die Bewegung des Schultergelenks ist nicht nur die Rotation, sondern auch die Abduktion (Abspreizen) und Adduktion (Heranführen). Diese finden in der Frontalebene statt.
Merke dir:
- Achse = Drehpunkt
- Ebene = Bewegungsrichtung
Wenn du das verstanden hast, kannst du Bewegungen im Körper viel leichter einordnen.
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Verlaufsbezeichnungen
Neben Lage- und Richtungsbezeichnungen gibt es auch Begriffe, die den Verlauf von Strukturen im Körper beschreiben. Diese helfen dir zu verstehen, in welche Richtung sich etwas bewegt oder ausbreitet.
Ascendens und Descendens
- ascendens bedeutet: aufsteigend
- descendens bedeutet: absteigend
Beispiel:
Die Aorta, Hauptschlagader, hat einen aufsteigende Teil: die Aorta ascendens, und einen absteigende Teil, die Aorta descendens.
Longitudinalis
Longitudinalis bedeutet in Längsrichtung verlaufend.
Beispiel: Die Fissura longitudinalis cerebri ist eine Längsfurche im Gehirn, ein Spalt der die beiden Großhirnhälften voneinander trennt.
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Größenbezeichnungen
Größenbezeichnungen helfen dir dabei, Strukturen im Körper miteinander zu vergleichen. Sie zeigen, ob etwas größer, kleiner, länger oder kürzer ist. Diese Begriffe wirst du häufig in der Anatomie und in medizinischen Bezeichnungen finden.
Maximus und Minimus:
- maximus bedeutet: der größte
- minimus bedeutet: der kleinste
Beispiel: Der Musculus gluteus maximus ist der größte Gesäßmuskel. Das Gegenteil ist der Musculus gluteus minimus, der kleinste Gesäßmuskel.
Longus und Brevis
- longus bedeutet: lang
- brevis bedeutet: kurz
Beispiel: Der Musculus fibularis longus ist ein langer Muskel am Unterschenkel. Der Musculus fibularis brevis ist entsprechend kürzer.
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Anatomische Grundbegriffe
In der Anatomie gibt es viele Begriffe, die dir immer wieder begegnen werden. Diese sogenannten anatomischen Grundbegriffe beschreiben bestimmte Strukturen im Körper, wie zum Beispiel Knochen, Muskeln, Gefäße oder Organe.
Die meisten dieser Begriffe stammen aus dem Lateinischen und werden in Arztbriefen, Befunden und im Pflegealltag regelmäßig verwendet. Wenn du diese Begriffe verstehst, kannst du medizinische Informationen besser einordnen und sicherer arbeiten.
In diesem Abschnitt lernst du die wichtigsten Grundbegriffe kennen, einfach erklärt und direkt anwendbar für Ausbildung und Praxis.
Angulus – Winkel
Apex – Spitze
Arcus – Bogen
Arteria – Arterie
Articulatio – Gelenk
Bursa – Schleimbeutel
Canalis – Kanal
Capsula – Kapsel
Caput – Kopf
Cartilago – Knorpel
Cavitas – Höhle
Cavum – Höhle
Cornu – Horn
Corpus – Körper
Crista – Leiste
Ductus – Gang
Facies – Fläche
Fascia – Faszie
Flexura – Biegung
Foramen – Loch, Öffnung
Fossa – Grube, Vertiefung
Glandula – Drüse
Incisura – Einschnitt
Ligamentum – Band
Linea – Linie
Lobus – Lappen
Membrana – Membran
Musculus – Muskel
Nervus – Nerv
Nodus – Knoten
Nucleus – Kern
Os – Knochen
Ostium – Öffnung
Pars – Teil
Plexus – Geflecht
Plica – Falte
Processus – Vorsprung, Fortsatz
Radix – Wurzel
Ramus – Zweig
Septum – Trennwand
Sinus – Ausbuchtung
Sulcus – Rinne, Furche
Truncus – Ast
Tuberculum – Höckerchen
Tuberositas – Rauigkeit
Tunica – Überzug, Hülle
Vas – Gefäß
Vena – Vene
Merke dir diese Begriffe gut da sie, nicht nur in Klausuren und Fachgesprächen vor kommen, sondern die Sprache im Arbeitsalltag sind.
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Vorsilben und Nachsilben
In der medizinischen Fachsprache werden viele Begriffe durch Vorsilben und Nachsilben gebildet. Wenn du deren Bedeutung kennst, kannst du dir viele Fachbegriffe selbst herleiten und besser verstehen.
Vorsilben:
brady- → langsam
epi- → oben, auf
extra- → außerhalb
hemi- → halb
hetero- → ungleich, anders
homo- → gleich
hyper- → über, oberhalb
hypo- → unter, unterhalb
intra- → innerhalb
myo- → Muskel
peri- → um, herum
poly- → viel
tachy- → schnell
oligo- → wenig
inter- → zwischen
endo- → innen
ecto- / exo- → außen
Nachsilben:
-itis → Entzündung
-pathie → krankhafte Veränderung
-osis / -ose → chronisch degenerativer Prozess
-algie → Schmerz
-ämie → im Blut
-urie → im Urin
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Bewegungsbegriffe
Bewegungsbegriffe beschreiben, wie sich Körperteile im Raum bewegen. Sie sind eng mit den Körperachsen und Körperebenen verbunden und helfen dir, Bewegungen fachlich korrekt zu benennen und zu verstehen.
Diese Begriffe sind besonders wichtig in der Pflege, weil sie dir helfen, Bewegungen zu beobachten, einzuschätzen und korrekt zu dokumentieren.
Flexion und Extension
- Flexion bedeutet: Beugung eines Gelenks
- Extension bedeutet: Streckung eines Gelenks
Beispiel: Beim Ellenbogen bedeutet Flexion das Beugen des Arms, Extension das Strecken.
Abduktion und Adduktion
- Abduktion bedeutet: Bewegung vom Körper weg
- Adduktion bedeutet: Bewegung zum Körper hin
Beispiel: Wenn du den Arm seitlich vom Körper anhebst, ist das eine Abduktion. Führst du ihn wieder zurück, ist es eine Adduktion.
Pronation und Supination
- Pronation bedeutet: Einwärtsdrehung
- Supination bedeutet: Auswärtsdrehung
Beispiel: Beim Unterarm zeigt die Handfläche bei der Pronation nach unten und bei der Supination nach oben.
Zirkumduktion
- Zirkumduktion bedeutet: Kreisbewegung eines Körperteils.
Diese Bewegung ist eine Kombination aus: Flexion, Extension, Abduktion und Adduktion
Beispiel: Kreisbewegungen mit dem Arm im Schultergelenk.
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Abschluss
Am Anfang wirken viele dieser Begriffe kompliziert, doch mit der Zeit wirst du merken, dass sie dir den Pflegealltag deutlich erleichtern. Sie helfen dir, Situationen schneller zu verstehen, sicher zu handeln und fachlich korrekt zu kommunizieren. Genau diese Sicherheit ist entscheidend für Prüfungen und für deine Arbeit am Menschen. Nimm dir die Zeit, die Begriffe Schritt für Schritt zu lernen, es wird sich auszahlen.
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